Erinnern 45
Kriegsende im südlichen Landkreis Mühldorf

Aktuelles

Nächste Veranstaltungen:

Mittwoch, 8. April 2026, 14.00 Uhr, Gaststätte zum Bahnhof in Jettenbach

Erzählcafé in Jettenbach: Erinnerung an die Zeit zwischen 1945 und 1950

Das Kriegsende vor 80 Jahren veränderte die Gemeinde Jettenbach grundlegend. Die ehemalige Struktur, die ehemaligen Machtverhältnisse waren innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Trotzdem hatten die Alt- und Neu-Jettenbacher Sehnsucht nach Normalität, nach einem unbeschwerten Alltag, hatten Lust auf Unterhaltung, Musik, auf Feste und Vergnügungen.

Wie hat man gelebt, gearbeitet, gefeiert? Wie hat man geheiratet, wer waren die Lehrer und Geistlichen? Was haben Eltern und Großeltern über diese Zeit erzählt? Eingeladen sind alle, die bei Kaffee und Kuchen Geschichten aus dieser Zeit erzählen oder hören wollen. 

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Freitag, 10. April 2026, 19.30 Uhr, Pfarrheim Mariä Himmelfahrt in Gars am Inn

Vortrag "Nachkriegsfilm: Von der Aufarbeitung zur Verdrängung"

Kinofilme sind sehr häufig interessante Zeugnisse der Zeitgeschichte und gesellschaftlichen Entwicklung. Der Medienpädagoge Franz Haider macht an Filmbeispielen  deutlich, wie sich Film und Gesellschaft in der Nachkriegszeit entwickelten: Von der der Zeit der Aufarbeitung von Krieg  und Nationalsozialismus hin zur Zeit der Verdrängung .

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Neuer Podcast von Ulrike Zöller

Folge 7: TÄTER. OPFER. NEUE Werte. Leben nach 1945

Nach dem Krieg: Rückblick, Abrechnung, Werteverlust, unsichere Zukunft, neue politische und gesellschaftliche Orientierungen. Wie gehen die Dörfer im südlichen Landkreis Mühldorf damit um?

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Rückblick Veranstaltungen 2025

Der Start und die Veranstaltungsrückblicke des Projekts erinnern45 können im Navigationsreiter Das war 2025 nochmals nachgelesen werden.

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Neuer Navigationsreiter "Hintergründe"

Zusätzlich zu den Veranstaltungen im Jahr 2026 finden Sie hier Hintergründe und Ergänzungen zu den behandelten Themen: Links, Dokumente, Filme etc.

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Hintergrund

1946: Die Bewohner des südlichen Landkreises Mühldorf hatten sich seit Kriegsende verändert: Innerlich, äußerlich, in der gesellschaftlichen Zusammensetzung. Noch waren viele Männer in Gefangenschaft. Kamen sie zurück, waren sie oft körperlich oder mental versehrt. Die Familien mussten sich neu finden; vor allem Frauen, die von allein verantwortlichen Betriebsleiterinnen der Höfe im Krieg als Ehefrau, Mutter und Zuarbeitende wieder ins zweite Glied verbannt wurden, mussten ihre neue Rolle finden. Zudem herrschte akuter Männermangel, was bei Unverheirateten oft zu offensiverem Verhalten führte als der Moralkodex es zuließ.

Bewohner einer Baracke im Holzlager Aschau

Die ersten Flüchtlinge aus dem Sudetenland, aus Schlesien, Ostpreußen oder dem Baltikum kamen in den Dörfern an. Sie wurden mit dem wenigen, das sie mitnehmen konnten, notdürftig vorwiegend bei den Bauern einquartiert und waren häufig traumatisiert von den Vertreibungen. Mit ihrem Knowhow, der Expertise aus ihrem Berufsleben sowie viel Fleiß und Resilienz bauten sie sich eine neue Existenz auf und wurden wichtige Bestandteile der Ortsgemeinschaften. Viele der Vertriebenen aus Aschau, Gars, Unterreit oder Jettenbach gründeten später teils heute noch bestehende große Unternehmen in Aschau oder dem 1950 gegründeten Waldkraiburg.

Auch die Amerikaner waren noch vor Ort. Die von ihnen etablierte Militärregierung sollte die politischen Strukturen von Grund auf neu ordnen und das Land entnazifizieren und demokratisieren. Sie setzte neue, möglichst unbelastete Bürgermeister als Ansprechpartner für die Menschen vor Ort ein und ließen von Januar bis Mai 1946 die ersten freien Wahlen nach der NS-Diktatur abhalten. Mit diesem politischen Neuanfang auf kommunaler Ebene fiel der Startschuss für ein freies und demokratisches Land, in dem wir nun seit 80 Jahren leben. Demokratie heißt, und das gilt seit der Nachkriegszeit unverändert bis heute, auch Verantwortung zu übernehmen. Politik zu machen heißt vor allem: Mit den gewandelten Werten, mit neuen Bürgern, mit Not und Umbruch verantwortungsvoll umzugehen.


Zum Projekt

Das Projekt Erinnern45 einer Gruppe Heimat- und Geschichtsinteressierter will gemeinsam mit dem Koordinator der Geschichtsarbeit des Landkreises, dem Verein für das Erinnern, dem Heimat- und Kulturkreis Jettenbach, dem Dorfforum Mittergars und dem Gemeindearchiv Aschau, an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg erinnern, die in diesen Dörfern größtenteils in Vergessenheit geraten ist.

Nach der großen Resonanz des Projekts im vergangenen Jahr, das sich vor allem mit der Ankunft und Situation der Vertriebenen im Landkreis Mühldorf beschäftigte, liegt heuer der Schwerpunkt auf den politischen und gesellschaftlichen Neuorientierungen nach 1946, die von großen Herausforderungen begleitet waren: Rückblick, Abrechnung, Werteverlust, unsichere Zukunft, neue politische und gesellschaftliche Orientierungen. Wie konnten neue Politik und neue Gesellschaft wieder Fuß fassen?

Mit Zeitzeugengesprächen, historischen Vorträgen, Spurensuche-Wanderungen, Filmen und einer Wanderausstellung im Kulturmobil des Landkreises Mühldorf möchte die Arbeitsgruppe Erinnern45 einen erneuten Beitrag zur Heimatpflege und zum Dorfzusammenhalt leisten.

Das Projektteam

Von links nach rechts:

Daniel Baumgartner, Koordinator der Geschichtsarbeit im Landkreis Mühldorf 

Elvira Schreiner, Heimat- und Kulturkreis Jettenbach

Franz Langstein, 1. Vorsitzender  "Für das Erinnern - Gedenkstätte Mühldorfer Hart e.V.“, Oberreith

Ulrike Zöller, 1. Voritzende Heimat- und Kulturkreis Jettenbach

Michaela Bock, Bildungsbeauftragte der Pfarrgemeinde Aschau

Franz Wicho, Archivar der Gemeinde Aschau

Gerti Schuch, Heimat- und Kulturkreis Jettenbach, Schwerpunkt Außenlager Mittergars

Franz Haider, Medienpädagoge, Wang